Predigten
Predigt von Pfarrer Peter Göb zum 25. Sonntag im Jahreskreis A
Lesungen: Jesaja 55,6-9 und Philisterbrief 1,20ad-24.27.a
Evangelium: Mt 20,1-16
Ich gehe davon aus, dass Sie beim Evangelium gut zugehört haben.
Welche Resonanz löst das Gleichnis bei Ihnen aus?
Auf welcher Seite stehen Sie?
Auf der Seite des Gutsbesitzers, der mit seinem Besitz machen darf und macht, was er will?
Auf der Seite derer, die 12 Stunden gearbeitet haben und den vereinbarten Lohn erhalten? Die sich beschweren?
Auf der Seite derer, die eine Stunde gearbeitet haben und auch den einen Denar, den Lohn für einen Tag, erhalten haben? Die sich freuen und glücklich sind?
Oder noch woanders?
Auf welcher Seite stehen Sie?
Mit wem identifizieren Sie sich? Und warum?
Was löst dieses Evangelium aus?
Vielleicht Fragen:
Ist der Gutsherr gerecht?
Ja – weil er ja mit den ersten Arbeitern einen Denar vereinbart hat.
Nein, weil er den gleichen Lohn für gleiche Arbeit aber unterschiedliche Arbeitszeiten zahlt.
Warum zahlt er nicht denen, die wenig gearbeitet haben weniger?
Nach dem Motto: Mehr Leistung – mehr Geld.
Menschen, die viel Arbeiten bekommen immer mehr Arbeit aufgebürdet, aber nicht mehr Lohn – so sagt die aktuelle Forschung.
Jesus erzählt das Gleichnis als Bild vom Himmelreich.
Und nicht als Hinweis für eine Anweisung für Tarifverhandlungen zwischen Arbeitgeber*innen und Arbeitnehmer*innen.
Es ist ein Bild des Himmelreichs.
Für mich heißt das:
Am Ende sind Gott alle Menschen wichtig, er möchte, dass alle den Lohn, das Himmelreich erhalten.
Die Logik und die Gerechtigkeit Gottes ist eine andere, als wir Menschen sie haben.
So weit, so gut?
Eine andere Frage beschäftigt mich: Worin liegt das Problem derer, die 12 Stunden gearbeitet haben?
Das Problem ist nicht der eigene Verlust, sondern der Neid, der Blick auf die anderen.
Ein Problem, das uns heute auch bekannt ist.
Viele Menschen schauen auf die, die mit ihnen auf „einer Stufe“ stehen. Haben die anderen mehr? Geht es ihnen besser? Ist der Garten beim Nachbarn grüner? Das Auto größer?...
Es ist ein neidvoller Blick zur Seite oder nach unten: die haben nur eine Stunde gearbeitet – denen steht nicht das Gleiche zu wie mir, der ich 12 Stunden gearbeitet habe.
Im Gleichnis kommt die Güte Gottes durch.
Menschliche Güte macht nicht automatisch gut.
Güte eines anderen gegenüber einem Dritten kann Neid, Missgunst und Bosheit provozieren. Wenn wir nicht gütig sein können und sie auch anderen gönnen, dann kann der Blick auf diese anderen „böse“, neidisch werden.
Der böse Blick macht das Gute schlecht und das Schlechte gut!
Er verdirbt die Freude und führt zum Beleidigtsein.
Gott ist gütig. Das zeigt sich an der Bewegung, die der Besitzer des Weinberg vollzieht.
Er geht hinaus auf den Marktplatz. Mehrfach.
Morgens, zur dritten, sechsten, neunten und elften Stunde. Fünfmal insgesamt.
Der „Marktplatz“ ist eine Art Arbeitsvermittlung. Dort trafen sich diejenigen, die arbeiten wollten und warteten darauf, dass sie angeheuert werden, bis sie jemand für den Tag oder für länger einstellt.
Warum geht der Gutsherr, warum geht Gott immer wieder auf die Menschen zu?
Vielleicht, weil ihm die Menschen am Herz liegen? Weil er für alle Sorgen und da sein möchte?
Weil er möchte, dass alle genug zum Leben haben?!
Gott hat alle im Blick. Ihm sind auch die wichtig, die bisher nicht im Blick waren, die später auftauchen, die sich ihm später zuwenden, die von anderen übersehen werden: „Niemand hat uns angeworben“ sagen die Arbeiter der elften Stunde.
Das Verhalten Gottes und damit seine Großzügigkeit sind für uns schwer vorstellbar.
Unser Glaube ist kein Gesetzesglaube, sondern ein Glaube an die Liebe.
Gott ist die Liebe – so sagt der erste Johannesbrief. Und diese Liebe Gottes ist für uns nicht immer verstehbar und nachvollziehbar.
Und es ist ein Glaube, der Solidarität als Grundprinzip hat. Immer wieder zu den Menschen gehen, auch zu denen, die erst zur elften Stunde um Hilfe bitten.
Die Arbeiter der ersten Stunde denken in Leistung.
Der Gutsherr denkt in Solidarität.
Die Arbeiter fragen: „Was habe ich verdient?"
Der Gutsherr fragt: „Was braucht mein Mitmensch?"
Die Arbeiter schauen auf ihren eigenen Anteil.
Gott schaut darauf, dass niemand zurückbleibt.
Neid fragt: Warum bekomme ich weniger, auch wenn ich länger gearbeitet habe.
Solidarität fragt: Reicht es allen zum Leben? Haben alle genug zum Leben? Haben alle Teilhabe am Leben, an Lebensmitteln, Kultur, Sport usw.
Teilhabe und Solidarität – das sind auch Hinweise auf die Jahreskampagne der Caritas.
„Zusammen geht was – Caritaskampagne 2026“.
Das Miteinander der Generationen steht im Zentrum. Wir dürfen das Motto: Zusammen geht was – gerne weiten auf das Miteinander der Menschen überhaupt. Auf Solidarität und den Blick auf den Nächsten, den neidlosen Blick auf den, der neben mir lebt, wohnt, arbeitet.
Am Ende geht es weniger um uns, sondern um das Himmelreich. Da ist Solidarität gefragt, denn: Zusammen geht was – und das in vielen Bereichen.
Amen.
Es gilt das gesprochene Wort!