Predigten

Predigt von Pfarrer Peter Göb zum 16. Sonntag im Jahreskreis A

Lesungen: Weisheit 12,13.16-19 und Röm 8,26-27

Evangelium: Mt 13,24-43

 

Was haben Pendimethalin, Florasulam und Glyphosat, gemeinsam?

Es sind drei Unkrautvernichtungsmittel.

Diese Mittel werden bei uns eingesetzt, sind aber teilweise sehr umstritten, weil man vermutet, dass sie krebserregend sein könnten.

 

Diese Mittel enthalten Wirkstoffe, die verhindern, dass das sog. „Unkraut“ im Getreide keimt oder wächst.

Mit Wasser vermischt werden diese Mittel ausgespritzt, in Deutschland insgesamt rund 87.000 Tonnen pro Jahr.

Wir sind hier nicht in einem Referat für oder gegen sog. Unkrautvernichtungsmittel, sondern bei einer Predigt.

 

Zur Zeit Jesu hatte man diese Mittel nicht.

Die Landwirtschaft war auf einem anderen Niveau, der Ertrag der Ernte von Getreide sicherlich auch.

Gleich ist jedoch, dass sich immer wieder zwischen das Getreide sog. „Unkraut“ mischt, bzw. wie es richtiger heißen muss: „Beikräuter“ oder Beiwuchs.

 

Die Knechte des Gutsherrn im Evangelium haben damit auch zu kämpfen. Sie wollen es aus dem Feld herausreißen, doch der Gutsherr hält sie zurück und lässt beides bis zur Ernte wachsen.

Der Weizen und das Unkraut, der Taumellolch, lassen sich zunächst nämlich nicht gut voneinander unterscheiden.

 

Das gute und das schlechte wachsen also nebeneinander und gleichzeitig.

 

Jesus liefert die Deutung des Gleichnisses mit.

Er spricht vom Reich Gottes.

Dort ist vieles zu finden, dort wächst vieles.

Das Reich Gottes aber ist gefährdet, die Botschaft des Glaubens wird durchmischt mit Einflüssen von außen.

Der Glaube hat Feinde, glaubende Menschen werden bekämpft, verfolgt, getötet.

Dennoch lässt Jesus das Wachsen des „Unkrauts“ zu.

Warum?

Jesus sieht die größere Gefahr nicht bei den äußeren Einflüssen, sondern beim Handeln derer, die meinen, das Unkraut ausreißen zu müssen.

Er sieht die größere Gefahr bei denen, die radikal vorgehen wollen.

 

Der Würzburger Bischof Franz Jung schreibt dazu:

„Entscheidend ist nun der Hinweis, dass die eigentliche Gefahr nicht von diesen gottfeindlichen Kräften ausgeht. Die eigentliche Gefahr für die Jünger besteht darin, sich aus Angst vor diesen Kräften schon jetzt in die Konfrontation zu stürzen und damit selbst die Durchsetzung der Himmelsherrschaft

gefährden.

Deshalb appelliert die Gleichniserzählung an die Jünger, in Geduld auszuharren. Was sich in der alltäglichen Erfahrung als nützlich erwiesen hat, nämlich so früh wie möglich dem Unkraut auf den Leib zu rücken, erweist sich im Hinblick auf das Himmelreich als kontraproduktiv. Das ist die neue Einsicht und die Überraschung, mit der das Gleichnis aufwartet!

 

Die Gottesherrschaft wird sich zweifellos durchsetzen. Wer jetzt auf Gewaltanwendung verzichtet, handelt klug, weil er auf Gottes Macht vertraut.

Diese Klugheit mag in den Augen der Welt zunächst als Torheit erscheinen. Dennoch verleiht das Vertrauen auf Gottes ordnenden Eingriff einen langen Atem und denkt in langfristigen Kategorien, ohne sich von den Gefahren des Augenblicks einschüchtern zu lassen und damit den Bestand der Gemeinde unnötig zu gefährden.

Welche Personen oder welche Gruppierung mit dem Unkraut gemeint sein könnten, wird nicht gesagt und muss offen bleiben.“

 

Am Ende wird entschieden, und zwar vom Gutherren, von Gott und nicht von Menschen. Gott entscheidet über Gut und Böse, nicht der Mensch, so eine Deutung des Evangeliums.

 

Eine zweite:

Das Evangelium nimmt ein Bild aus der Landwirtschaft auf, aber es hat ja sicherlich noch eine andere Bedeutung. Eine Bedeutung für die junge Kirche, eine Bedeutung für jede*n von uns, die wir als Christen leben.

Wie auf einem jungen Acker so entstehen die ersten Gemeinden zurzeit der Abfassung des Matthäusevangeliums.

Vermutlich tauchen in den Gemeinden auch Fragen auf. Fragen wie: was fördert unsere Gemeinde, was lässt sie wachsen, welche Rahmenbedingungen brauchen wir.

Bzw. umgekehrt: Was hindert uns am Wachstum, was schränkt uns ein, welche äußeren Einflüsse drohen uns als junge Gemeinden zu ersticken?

Es sind Fragen, auf die es keine schnellen und einfachen Antworten gab. Geduld war gefragt, und das Vertrauen auf Gott und das Zutrauen in Gott, dass es am Ende zu einer guten Ernte, einem guten Ergebnis kommt. Zu einem Wachstum, damit wieder neu ausgesät werden kann.

 

Ein weiterer Gedanke:

Vielleicht bin ich bzw. ist mein Leben der Acker, auf dem so manches wächst, blüht, reift.

Sicherlich gibt es in meinem Leben, in meinem „Lebensacker“ Dinge, die gut sind, die keimen, die mich fördern, die mir guttun, die wertvoll sind.

Und sicherlich gibt es in meinem Leben auch Dinge, die nicht gut sind, die mich hindern, Dinge, die schlecht sind. Angewohnheiten, Gedanken, Gefühle, Muster, die mich vom Leben abbringen,

Es gibt Handlungen, über die wir uns freuen, Vorhaben, die uns gelingen und es gibt Handlungen, die schiefgehen, Dinge, die wir bereuen und uns ärgern.

 

Das Gleichnis bietet zwei Handlungsoptionen an.

Ich kann das Schlechte, das Unkraut versuchen herauszureißen oder ich kann versuchen, das Gute, den Weizen zu stärken.

 

Ich deute es so, dass das Evangelium eine Einladung ist, gut, barmherzig mit uns und anderen umgehen.

Gut und barmherzig mit unseren Fehlern sein.

 

Das bedeutet nicht, dass wir uns nicht anstrengen sollten, Fehler, Schwächen, Sünden zu beheben, Verhalten zu bessern.

 

Aber wir können vielleicht nachspüren, woher so manches kommt, was uns nicht guttut, was wir an Mustern und Handlungen haben

Wir können der Frage nachgehen, in welche Fallen wir immer wieder tappen.

 

Das kann dann zum wahren Wachsen führen, zur Selbsterkenntnis und zu einem guten Leben.

 

Amen.