Predigten

Predigt von Pfarrer Peter Göb zum 32. Sonntag im Jahreskreis A

Sagt Ihnen die Telefonnummer 0 11 91 noch etwas?

Das war die Telefonnummer, unter der man bis zum Jahr 2005 anrufen konnte.

Es meldete sich…

Die Zeitansage. Beim nächsten Ton ist es: …

 

Das war und ist doch sehr praktisch. Man rief eine Nummer an und konnte danach die Uhr stellen.

Heute ist das im Zeitalter von Smartphones und Funkuhren nicht mehr nötig. Da ist es jederzeit und jedem möglich, die genaue Uhrzeit abzulesen.

 

Diese Möglichkeit der Zeitansage hatten die zehn Jungfrauen, die auf den Bräutigam warten – so das Evangelium heute – nicht.

Sie waren auf andere Hilfsmittel und auf ihr Gefühl angewiesen.

Vor allem hatten sie keinen Zeitplan, sie wussten also nicht, wann was geschehen würde. Heute ist das ja oft anders, da sind Feiern durchgeplant…

Der Zeitplan der Hochzeitsfeier im Evangelium gerät durcheinander.

 

Im Rahmen einer Hochzeit gab es Bräuche und Riten.

Die Bibelwissenschaftler sagen dazu:

„Die Geschichte spielt auf einer Hochzeit. Die Quellenlage zu antiken, palästinischen Hochzeitsbräuchen ist recht unübersichtlich,

weil keine systematische Darstellung dieser Bräuche überliefert ist und zudem damit zu rechnen ist, dass es in verschiedenen Gegenden und Zeiten durchaus unterschiedliche Bräuche gab…

Im Zusammenhang mit einer Hochzeit waren Prozessionen und Brautzüge üblich. Sie kommen zustande, weil die Braut vom Elternhaus zum Haus des Bräutigams überführt wird oder die (zum Teil mehrtägigen) Feierlichkeiten und Rituale teils im Elternhaus der Braut und teils im künftigen Wohnhaus der Eheleute angesiedelt waren.

Die notwendigen Ortwechsel gaben offenbar Anlass zu vielfältigen Bräuchen. Dabei spielten – neben Musik und Gesang, Tanz, Späßen, symbolischen Geschenken u.a. – häufig auch mitgeführte Lichter, meist Fackeln, eine Rolle.“

 

Im Evangelium haben alle zehn junge Frauen ihre Fackeln dabei. Diese Fackeln, Stäbe mit Lappen umwickelt, muss man in Öl tauchen, damit sie brennen.

Das Evangelium berichtet davon, dass fünf der jungen Frauen klug sind, die anderen töricht. Die klugen haben neben den Fackeln noch Öl dabei, die törichten nicht.

 

Diese Einteilung in klug und töricht sagt nichts über ihre intellektuellen Fähigkeiten aus.

Es geht vielmehr um die Art und Weise des Handelns und die Folgen, die sich aus diesem Handeln ergeben.

Wer klug ist, kommt in der Situation zu einem guten Ergebnis, wer töricht ist, hat eben negative Folgen zu tragen.

 

Es geht um eine praktische Klugheit und nicht um eine intellektuelle Klugheit.

Den „törichten“ geht das Öl aus bzw. sie haben es vermutlich gar nicht dabei und sie haben es versäumt, sich welches zu besorgen.

Die törichten Jungfrauen haben nicht nur niemals funktionstüchtige Fackeln gehabt;

sie haben reichlich vorhandene Zeit nicht genutzt, sich Öl zu besorgen.

Zu spät gehen zu den Händlern und können sich welches besorgen. Aber sie sind zu spät.

Es nutzt nichts mehr.

Als sie zurückkommen, ist der Bräutigam da und die Türen sind verschlossen.

 

Sie stehen draußen und erhalten keinen Einlass zur Feier. Selbst ihr Flehen führt nicht zum Einlass.

 

Das Gleichnis spricht vom Reich Gottes.

Jesus will uns damit zur Wachsamkeit mahnen, und zu einem klugen Handeln animieren.

 

Das kann heute bedeuten:

Mach dir keine falschen Vorstellungen über die Zeit.

Verschiebe nicht die nötigen und notwendigen Dinge auf „irgendwann“ – denn „irgendwann“ steht nicht im Kalender.

 

Gehe achtsam und klug mit deiner Zeit um.

Und:

Achte und bedenke, die Folgen deines Handelns. Schau, welche Auswirkungen dein Denken und Reden, dein Tun und dein Lassen hat.

Denn die Folgen deines „törichten“ Handelns hast Du – und vielleicht auch andere – zu tragen.

Nutze die Zeit, die Dir geschenkt ist.

Nutze die Zeit, die Du hast, um dein Leben und deine Lebenssituation anzuschauen.

 

Nutze sie, um sie zu bedenken und die nötigen Schritte zu tun, um die törischen, die unguten Folgen abzuwenden und klug zu handeln und eine gute Wirkung zu erzielen.

Sei klug, wenn es um das Reich Gottes geht, sei klug, wenn es um die kleinen und großen Entscheidungen des Lebens geht.

Sei klug und achte auf die Folgen.

 

Nutze die Zeit, Nutze die Ansage der Zeit.

 

Übrigens.

Wenn Sie heute mal nicht wissen, wie spät es ist, was die Stunde geschlagen hat oder einfach in Nostalgie eintauchen möchten:

Wenn Sie die Nummer 0180 4100 100 können Sie heute noch die Zeitansage hören…

 

Amen.